Ein Kampf von Identitäten

Wintersport

Die Welt des Eiskunstlaufs hat ein Problem: der fortwährende Konflikt der sogenannten Männlichkeit in einem traditionell extravaganten Sport. Viele behaupten, dass es zwei Arten von Eiskunstläufern gibt: athletisch und künstlerisch. Aber dies sind kodierte Butch / Femme-Begriffe, die einer stark veralteten Geschlechteridee entsprechen. Für männliche Eiskunstläufer soll “athletisch“ männlich, muskulös, stoisch bedeuten; “künstlerisch“ elegant, anmutig, emotional. Athletisch wird als heterosexuell codiert. Künstlerisch als homosexuell. Es scheint die vielen hitzigen Vertreter dieser Ansichten nicht zu scheren, dass einige der besten Eiskunstläufer sowohl athletisch als auch künstlerisch sind. Doch: beim Eiskunstlauf von Männern, wie so oft, tendiert ein Tropfen Weiblichkeit jede Menge Testosteron zu vernichten. Und die Sportler jeglicher Herkunft und Orientierung müssen mit diesem giftigen Bild kämpfen. Deshalb werden manche Eiskunstläufer auch als künstlerisch angesehen, wenn ihre technischen Fähigkeiten höher sind als die ihrer Konkurrenten – und andere gelten als athletischer, auch wenn dies nicht der Fall ist. Dabei gilt in erster Linie die Erscheinung.

Die Eiskunstlaufwelt hat eine eigene Männlichkeitshierarchie geschaffen. Zum Beispiel ist Drehen männlich, aber Arm-Flattern ist es nicht. Pailletten sind in Ordnung, Ausschnitte sind nicht in Ordnung. Es ist ein Kampf um eine Identität, wie er auch außerhalb des Sports stattfindet und ein wichtiger Bestandteil desselben.